Dog eats dog?

Juni 10, 1998 Sophos Press Release

Sophos beantwortet Fragen zur Übernahme von Dr. Solomon's durch Network Associates

- Sophos bietet ab sofort Anti-Viren- und Sicherheits-Hotline -

Die gestern bekanntgewordene Übernahme von Dr. Solomon's durch Network Associates, das mit seinen McAfee-Produkten eines der führenden Unternehmen im Bereich Anti-Viren-Lösungen ist, sorgt für wachsende Verunsicherung beim Kunden. Gerade in einem so sensiblen Bereich, wie dem Markt für Anti-Viren-Software, in dem Sicherheit, lückenlose Kontinuität und Verläßlichkeit die Hauptmerkmale sind, ist es notwendig, Fragen und Ängste der Kunden ernstzunehmen und sich mit ihnen vollständig auseinanderzusetzen.

Sophos, der führende europäische Anti-Viren-Spezialist, hat sich mit den voraussichtlichen Auswirkungen der Übernahme beschäftigt. Pino von Kienlin, Geschäftsführer der Sophos GmbH, beantwortet nachfolgend die dabei zentralen Fragen. Für weitere Nachfragen hat Sophos außerdem ab sofort eine Anti-Viren-Hotline errichtet, die ständig (7 Tage à 24 Stunden) erreichbar ist. Sie steht zunächst bis zum 10.9.1998 jedem interessierten Anwender unter 06136 / 911 93 zur Verfügung. Weitere Informationen sind auch im Web unter http://www.sophos.comerhältlich.

Frage: Was steckt hinter diesem Schritt? Warum wurde Dr. Solomon's an Network Associates verkauft?

Antwort: Es bieten sich mehrere Interpretationen an, obwohl nach langen Jahren harter und lauter Kritik an der jeweils anderen Technologie und Strategie dieser Schritt nicht leicht zu verstehen ist. Einerseits handelt es sich um ein weiteres Zugeständnis einer technologischen Lücke im Produktangebot von Network Associates. Durch den Kauf eines Konkurrenzproduktes wird nun versucht, Glaubwürdigkeit herzustellen. Fallende Aktienkurse lassen auch an einen Notverkauf durch Dr. Solomon's denken (Übernahmen haben meist Entlassungen, Büroschließungen sowie das Fallenlassen von Distributoren im Sinne von Kostensenkungen zur Folge). Andererseits kann es sich auch einfach um ein Angebot gehandelt haben, welches für das MBO-Team von Dr. Solomon's zu verlockend war, um zurückgewiesen zu werden - vor allem auch angesichts der Alternative eines noch schwereren Weges in einem wachstumshungrigen Aktienmarkt. Es wird noch viele Monate dauern, bevor durch diesen Verkauf irgendeine richtige oder logische Synergie offenkundig wird.

F: Warum wurde nicht Sophos gekauft?

A: Dies würde voraussetzen, daß wir nicht gefragt wurden!

In der Tat hat Sophos in den letzten ein, zwei Jahren Übernahmeangebote von mehreren führenden Firmen erhalten. Es gibt fundamentale Gründe dafür, daß Sophos ständig um seine Unabhängigkeit bemüht gewesen ist - und alle sind kundenorientiert. Anders als Sophos stellen viele öffentlich zitierte Unternehmen häufig ihre Verpflichtung gegenüber den Aktienhaltern über ihre Verpflichtung gegenüber den Kunden.

In der Anti-Viren-Branche suchen Kunden aus dem Hochsicherheits- Bereich, aus der Verwaltung und aus Unternehmen nach möglichst engen Partnerschaften mit Anbietern. Dies bedeutet vor allem ein verläßliches, langfristiges Commitment durch den Software- Hersteller.

F: Welche Folgen erwarten Sie insgesamt für die Kunden von Dr. Solomon's und Network Associates?

A: Es wird zunächst eine deutliche Verwirrung im Markt entstehen. Außerdem werden sich die Kunden von Dr. Solomon's und Network Associates um die Zukunft ihrer Anti-Viren-Pakete sorgen. Es gibt dabei Fragen zu den Entwicklungsplänen und zur Stabilität der Produkte beider Unternehmen in den kommenden 12 Monaten. Einige Kunden werden unvermeidlich ein Produkt erhalten, das Sie beim Kauf nicht im Sinn hatten. Letztlich bedeutet der Schritt für den Anti-Viren-Markt ein reduziertes Angebot und damit weniger Auswahl für den Kunden.

F: Welche Fragen sollte der Anwender von Anti-Viren-Software stellen?

A: Zu den Fragen, die Kunden an Network Associates stellen sollten, gehören: Wenn am Ende ein einziges vereinigtes Produkt stehen soll, wann wird dies der Fall sein? Ist dieser Plan realistisch und wird das Endergebnis zu meinem Unternehmen passen? Wie reagieren die Angestellten beider Unternehmen, sind Entlassungen geplant? Wird sich dies auf den Service auswirken? Was wird aus den Bug-Fixes und neuen Features, die für die Produkte im kommenden Jahr geplant waren?

F: Übernahmen sind in diesem Bereich nicht selten. Gibt es entsprechende Parallelen?

A: Wir müssen nicht weit zurückblicken, um abzuschätzen, wie sich die Dinge entwickeln könnten. Erst vor zwei Wochen hat Dr. Solomon's IBM dafür kritisiert, daß das Unternehmen seine Anti-Virus-Kunden in Folge des Abkommens mit Symantec im Regen stehen lasse. Ein anderes Beispiel war die Übernahme von Central Point durch Symantec, als Produktreihen ohne Rücksicht auf Loyalität zum Kunden beendet wurden.

F: Fühlt sich Sophos nicht bedroht durch die beherrschende Marktposition, die durch diesen Schritt geschaffen wurde?

A: Nein, ganz im Gegenteil. Diese Übernahme bedeutet eine große Gelegenheit für Sophos, welches damit zum größten britischen und europäischen Hersteller von Anti- Viren-Software wird. Anders als die Wettbewerber leidet Sophos nicht an Übernahme- Schmerzen, wie Produktunsicherheit, demotivierten Mitarbeitern, entfokussiertem Support und Umstrukturierungen im Unternehmen. Das Wesen der Größe, der Ausrichtung und der privaten Eigentumsverhältnisse bei Sophos bedeuten, daß der Kunde mit Sophos leichter verhandeln kann und daß Sophos schneller auf den Beinen ist, wenn es um die Beantwortung von Kundenwünschen und Produktentwicklung geht.